Querschläger

In einem früheren Leben üblich, sind Fernreisen inzwischen für mich zur Seltenheit geworden. Was ich aber damals wie heute habe, wenn derlei ansteht: Reisefieber. Ich genieße das und darf darin oft über mich selbst lachen: ich bin die komische Frau, die schon Wochen vor Termin auf gepackten Koffern sitzt. So auch dieses Mal.

  • Tetanus-Titer in Ordnung, Impfungen aktuell ✔
  • Reisekrankenversicherung abgeschlossen, Papiere verfügbar ✔
  • Repellent besorgt, Sonnenschutz dito ✔
  • Reiseapotheke komplett ✔
  • Katzen- bzw. Wohnungssitter organisiert ✔
  • Offene Briefwechsel geschlossen, Terminsachen erledigt ✔
  • Reisepass über die Reise hinaus gültig ✔

»Moment…« zupft mich mein Gehirn am Kittel. »Da war doch noch irgendwas …«

Richtig genug! Ich besuche die Seiten des auswärtigen Amtes und stelle fest: Man wird mich nur einreisen lassen, wenn mein Pass sechs Monate über das Einreisedatum hinaus Gültigkeit besitzt. Verdammmte Axt – dem ist eindeutig nicht so.
Ich könnte mir Monogramme ins Hinterteil beißen, denn natürlich hat kein Bürgeramt in dieser Riesenstadt Termine vor Oktober – meine Reise beginnt im September – und ich darf mich jetzt auf eine ganzen Tag in einem Bürgeramt einrichten und auf Kosten, die ich nicht auf dem Schirm hatte. Die Begeisterung hält sich schwer in Grenzen – und irgendwo dahinten hinter dem Vorhang wiehert der Amtsschimmel.

Soviel ist klar: Mein Perfektionismusgen hat diesmal jämmerlich versagt.