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Nachtaktiv

31. Jul 2017
Radio Eriwan

Radio Eriwan

Ich verstehe sie, und ganz Unrecht hat sie nicht. Ich denke aber, sie greift zu kurz, spätestens hier: »Willst du andere ewig auf dir rumtrampeln lassen, in der vagen Hoffnung, dass irgendein Prinz in deinem Schuh die Gestalt deiner wertvollen Seele erblickt?« Es reicht ein Blick auf die Scheidungsraten (wahlweise auch auf meine ganz persönliche Geschichte, die durchaus zu meinem Bedauern relativ repräsentativ ist) um zu erfahren, daß der Haken nicht an dieser Stelle im Fisch sitzt.

Nach meiner Erfahrung stört es die Männer eher weniger, wenn Frau ein paar Falten hat – mal abgesehen von dem Teil der Mannheit, der die jüngere schöne Frau zum Ausbau des eigenen Selbstwertgefühls benutzt – vielmehr erweisen sich die Herren als Rosinenpicker nach britischem Vorbild: Ganz 50er Jahre, wäre es ideal, wenn sich die Herzensdame um all den niedrigen Alltagskram kümmert, von Abwasch über Kochen bis Wäsche, aber doch so weit im 20. bzw. 21. Jahrhundert verwurzelt ist, daß sie andererseits ihr eigenes Geld verdient und weder auf eigene Rechte, noch gar auf Pflichten seitens des Mannes auch nur hinweist.

Das patriarchalische Modell hat bei Weitem nicht ausgedient. Im Gegenteil. Heute sind die Frauen meiner Beobachtung nach schlechter dran als je, sie haben sich quasi das Schlechteste aus allen Welten eingefangen – Bestens sozialisiert, sind sie oft emotionale ‘Alleinverdiener’, und dann auch noch Kinderhüter, Haushaltsmanager, Selbstversorger. Obendrein kriegen sie es im Beruf ständig mit Seilschaften und Glasdecken zu tun. Und die schöne Seele hilft nicht dagegen. Was nicht passend gemacht werden kann, wird abserviert – und das Aussehen spielt dabei die kleinste Rolle. Funktionieren – im Sinne des Patriarchats – ist nach wie vor Primat. Schlimm daran: Meistens wissen es die Männer selber nicht und glauben, sie hätten einfach die ‘falsche’ Frau, und mit einer anderen würde alles ‘besser’.

Bitter? Nein, gar nicht. Nur realistisch und nicht unerfahren. Natürlich ist dieser kurze Text einem eher groben Kamm gleichzusetzen, und nicht alle Männer ticken so. Aber das Gros tut es. Eine Lösung des Dilemmas habe ich nicht anzubieten, nur einen Rat: Bei sich selbst zu bleiben – wie es die Kerle schon seit hunderten von Jahren tun.

17. Jul 2017
Zwischenstand
Wetter
Ganz hübsch, trotz ein wenig Nieselregen Wenig Bis 22 °C

Zwischenstand

In den ersten Tagen dieses Jahres spielten mir Umstände eine Karte in die Hände, auf der stand: »2017 wird mein Jahr.« Ich fühlte das als positiven Wink und freute mich. Acht Wochen später konnte ich sicher sein, daß ich die Karte mißverstanden hatte. Die Betonung lag auf mein, im Sinne von selbst und ständig und ungestützt.
Die Dunkelzeit, die daraus erwuchs, war nicht von schlechten Eltern. Schon seit Januar hatte ein Infekt den anderen gejagt, auch sonst stand wenig zum Guten, vom Besten ganz zu schweigen. Zäsuren, Härten, Misslichkeiten allenthalben. Erst seit wenigen Wochen bin ich aus dem Tal zürück – und ahne nun, warum das Kismet es für nötig hielt mir die gesamte Palette an Grautönen zuzuspielen: Es war hoch an der Zeit sich auf Einiges zu besinnen.

Nun ist es Juli, ich habe mein Leben wieder vollständig in Händen und fühle mich gut. Nach wie vor gibt es Bedrohungslagen auf ein oder anderem Gebiet, aber ich fühle mich dem gewachsen – als Handelnde, nicht als Reagierende. Es gibt viel zu tun.

Doch stehe ich mit Bedauern vor der Tatsache, daß mit dem Gewinn ein Verlust einherging. Die Veränderung in mir ist nichts Geringeres als das Ende einer Ära, die mehr als fünfundzwanzig Jahre tief ist. Ich werde nicht wieder so sein können wie ich war. Ein Teil dessen, was meine Identität ausmachte, ist in Seide eingeschlagen ganz tief unten verwahrt worden. Ich vermisse ihn — obwohl er mir immer wieder geschadet hat.

Soll man es begrüßen oder verfluchen, daß Persönlichkeitsentwicklung ein Fluss ist, der das Meer nie erreichen kann?

07. Jul 2017
Freunde
Wetter
Zuviel Wasser, zu wenig Sommer Mäßig Um 23 °C

Freunde

»Wie geht es dir? – Das Kleid steht dir wirklich gut! – Ich freue mich, daß du da bist! – Was hast du jetzt vor? Wie willst du umgehen mit xy? – Hast du Lust morgen zum Brunch vorbeizukommen? – Ich möchte nächste Woche in eine Ausstellung. Magst du mitkommen?. – Das hast du super hingekriegt! – Hilfst du mir bei xy? Allein schaffe ich das nicht.«

Wir weben ein Netz aus Verbindlichkeiten, weil wir genau das wollen: Uns miteinander verbinden. Niemand muß sich beweisen oder gar bewähren – der Beschluß ein Freundesteam zu sein, ist längst gefasst. Es entsteht ein Raum aus Rückhalt und Nähe, in dem Geborgenheit entsteht. Die Fragen sind keine Floskeln, die Gesprächsräume offen und aufrichtig, die Einladungen eindeutig und verbindlich. Wir haben es nicht nötig zu warten, ob sich ein anderer bewegt, weil wir einander vertrauen. Wir brauchen keine Deckung. Wenn die Freundin keine Lust auf die Ausstellung hat, kann sie das einfach sagen. Es verändert unser Verhältnis zueinander nicht. Wir finden etwas anderes, an dem wir beide Vergnügen haben.
Wir machen einander Komplimente, von Herzen und aus Mitfreude. Wir schenken ohne Gedanken an eine Gegenleistung. Wir machen einander Vorschläge und manchmal uns miteinander Nachtgedanken. Wir leihen alles mögliche her und wissen: wir sehen es wieder. Wir geben Versprechen und halten sie. Wir bieten eine Stimme am Telefon, auch um drei Uhr früh. Wir fürchten manches, aber nie einander. Wir streiten, das die Fetzen fliegen und wissen uns doch aufgehoben, mitten im Diskurs. Wir fragen, wir antworten. »Vielleicht. – Mal sehen. – Keine Ahnung. – Och, ich weiß nicht …« passieren uns nur im Zusammenhang mit »Ich rufe dich an, wenn ich Bescheid weiß.«. – Bastet sei Dank für diese Menschen, die meine Freunde sind.

27. Jun 2017
Lost in translation
Wetter
Sonnig, mittelwarm, windig Mittelprächtig wechselnd Bis 23 °C

Lost in translation

Heard someone say today: »Ich möchte eine unkomplizierte Beziehung.«
Asked for further explanation and got:
unkomplizierte Beziehung = nicht immer alles bereden müssen.
Generalization tends to give me nausea; generalizations do that even more.
Nevertheless I tried to translate and came up with
»I don’t want to talk about my expectations, dreams, wishes or feelings. The person in question should be able to make a proper guess on her own.«
– That’s just a guess. I did not dare to ask for a proper explanation of that non-explaining explanation. :)

[tbc.]